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Das Streicher-Kammerensemble als Medium   zur expressiven Konzentration, für Abenteuerlust, Wagemut und kompromisslose Strenge auf der einen Seite, die Jazzgitarre als Impulsgeber, als Erzähler, zwei Welten, die sich im Feartet von Scott Fields begegnen.

Wenn man die neue CD des aus Chicago stammenden Gitarristen zum wiederholten Male furchtlos durchgehört hat und darüber staunt, wie mitreißend-hypnotisch hier selbst die sperrigsten Klangwelten inszeniert werden, dann hat sich jedes Nachdenken über Crossover-Begriffe längst verflüchtigt Quartettbesetzung zu bilden.

Aber was sind schon Rollenverteilungen, wenn doch Variabilität und das Austesten von Konstellationen auf der Agenda stehen? Axel Lindner (violin), Vincent Royer (viola) und Elisabeth Fügemann (cello), die auch Jazz-Cello studiert hat, stehen dem freigeistigen Gitarristen auf jeden Fall als extrem wagemutige Musikerpersönlichkeiten aus der Kölner Szene zur Seite. Und dann geht es auch schon ohne weitere Gelegenheit zum Atemholen oder Zurücklehnen nach vorn. Da tropfen gerade noch einige puristische Webernsche Klangtupfer von der Decke hinab — minutiös und formstreng herausdestillierte Klangereignisse sind das! Aber der einsetzende, ruhelos vibrierende Spielfluss von Scott Fields’ Gitarre versetzt alles sogleich in lässiges Swingen und in einen schier rauschhaften Fluss hinein. Fields gibt mit seinen Fingen die Richtung dieses Ideenflusses vor und lässt sich all dies mit den Klangfarben des Quartetts übermalen. Das setzt en dissonantes Actionpainting mit akustischen Signalen, verdichteten Geräuschwelten mit jeder Verweigerung an das banale „Schöne“, dafür mit furchteinflößender Kratzbürstigkeit frei. Bögen sausen und dreschen perkussiv über die Saiten. Es fetzt, flirrt und gleißt, Klangkaskaden brechen wie Eruptionen aus dem Instrumentarium hervor. Spielerische Gesten verwirbeln sich, werden im wütenden Sturm fortgerissen. Das Ganze ist genau dosiert, erscheint bei mehrmaligem Hören immer ausdifferenzierter, denn die zugrundeliegende Ideenfülle ist immens und geht weitgehend auf Scott Fields kompositorische Feder zurück.

Die Stücke auf der CD wechseln in ihrem Gestus, ihrem Tempo, ihrer Grundidee. Mal baut alles auf einer Grundstruktur auf, doch dann swingt, groovt und rockt es auch schon wieder. Es ist eine Spiellust, die zur Spielwut wird. Die sämtliche Klangmöglichkeiten des Streichquartetts auslotet und mit dem ganzen expressiven Reichtum eines wagemutig nach vorn blickenden elektrischen Gitarrenspiels durchtränkt und gesättigt ist. „Es geht nicht darum, unsere Hörgewohnheiten zu reflektieren, sondern darum, unsere Ohren zu öffnen für eine Neuinterpretation des bisher Gehörten“, findet sich der hohe Anspruch dieser Produktion im Begleittext auf den Punkt gebracht. Scott Fields hat hiermit zum ersten Mal auf dem Label Between the Lines veröffentlicht. Auf jeden Fall ist er dort in guter Gesellschaft mit früheren Weggefährten in Sachen freier Musik, etwa Gerry Hemingway oder Frank Gratkowski. Auch mit Marylin Crispell oder Hamid Drake war er schon unterwegs. Aktuell lebt er in Köln und spielt dort regelmäßig mit fast einem Dutzend Ensembles zusammen. — Stefan Pieper,   Jazzthetik



Gleich zwei neue CDs des   seit fünf Jahren in Köln lebenden Chicagoer Gitarristen Scott Fields erscheinen dieser Tage auf dem interessanten Lissabonner Improviser-Label Clean Feed. Fields kennt man von seinen Arbeiten mit Joseph Jarman, Hamid Drake, Mat Maneri, Marilyn Crispell, Michael Formanek, oder Jeff Parker, alle veröffentlicht auf Kleinstlabels wie Black Saint, Delmark, und Music and Arts. Scharfefelder — sorry, diesen Titel, zusammengesetzt aus den übersetzten Nachnamen der zwei Gitarristen Sharp und Fields, finde ich nicht so richtig lustig. Doch vielleicht ist diese strikte Eins-zu-eins-Übersetzung ja auch absolut ernst gemeint, denn musikalisch geht es in dieser «neuen Kammermusik» meist kratzbürstig zu. Da wird lustvoll so einiges zitiert, erinnert (in den packendsten Momenten) an Larry Coryell’s Spiel bei «Spaces», kurze Akkorde lassen auch an mittelalterliche Lautenmusik denken. Ausgiebige leidenschaftliche Improvisationsgefechte ausschließlich auf akustischen Gitarren, wilde Ausgelassenheit, zarte Sinnlichkeit, abrupte Brüche — wahrscheinlich ist das alles provokativ gemeint, soll den Hörer herausfordern. Aber ob sich, außer auf Improvisation versessene Gitarristen und Hardcorefans der beiden Saitenderwische, noch jemand für deren introvertierten Streifzug durch die Scharfefelder interessiert? Nach fast siebzig Minuten gebe ich mich geschlagen — ganz ehrlich, mir ist dieses orgiastische «Geschrammel» zu anstrengend. — 4 stars Olaf Maikopf,   Jazzthetik



Ganz anders dagegen die Wirkung   der Bitter Love Songs. Ebenfalls in weiten Zügen Improvisationsmusik, fesselt sie von Beginn an. Fields widmet sich durchgängig der freien Jazz-Form, wie sie Ornette Coleman mit seinen einstigen Gitarristen James «Blood» Ulmer oder Bern Nix etabliert. Dessen Harmolodic-System stand wohl Pate bei den sechs Stücken voller organisierter Unordnung. Fields zieht seine steil an- und absteigenden Flugbahnen ganz in dieser Tradition der «Umdeutung des Vorgefundenen» über lineare Intervallreihen. Seine zwei technisch hervorragenden Kollegen Sebastian Gramss und der Portugiese João Lobo begleiten den Gitarristen dabei mit feinsinnigen Überlappungen, führen lebhafte Kommunikationen. Diese Musik ist free, hat gleichzeitig aber auch eine fesselnde Melodiehaftigkeit und starke Blues-Verwurzelung — ungemein aufregend. — 4 stars Olaf Maikopf,   Jazzthetik

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