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In der klassischen Musikgeschichte markiert   das Streichquartett die künstlerische Königsdisziplin. Joseph Haydn, der zu den „Erfindern” dieser Gattung gerechnet wird, sah hier ein Versuchslabor für musikalischen Fortschritt. Scott Fields, der US-amerikanische und seit zehn Jahren in Köln lebende Gitarrenexperimentator und Komponist, wagt mit seinem Feartet einen neuen Blick auf Joseph Haydn — aber ganz klar aus der Perspektive heutiger musikalischer Versuchslabore. Feartet meint bekanntlich ein Streichquartett mit einem Streicher weniger — dafür mit Fields als elektrisch improvisierendem Gitarristen. Und klar ist: Das Hörvergnügen dieser neuen Doppel-CD ist ein viel zu herausforderndes, ja sportliches Unterfangen, als dass lediglich von einer Neu-Interpretation von Haydns Streichquartett-Suiten opus 20 (den sogenannten Sonnen-Quartetten) die Rede sein könnte. Fields wollte nach eigenem Bekunden die „DANN” der Originale herauskristallisieren. Also suchten Axel Lindner, Violine, Radek Stawarz, Viola, Elisabeth Fügemann, Cello und Fields nach übergreifenden Codes. Musikalische Konversationen früher Streichquartette mutieren zu einem kühnen Spannungsfeld aus hitziger Improvisation bei zugleich dezidiert ausformulierten kompositorischen Details. Meist treibt ein klar strukturierter Bewegungsgestus den musikalischen Fluss voran, reagieren schroffe Klangfarben in streng polyphoner Logik miteinander. Farbschichten überlagern sich, lösen sich auf und brechen auf — um Zeitfenster in die Vergangenheit zu öffnen, wann immer Haydns Original zu Wort kommt. —   5 (out of 5) stars. Stefan Pieper, Jazzthetik



And if it sounds like   arts council music, it is. Fields returns to the fertile fields of turning classical music into left leaning chamber jazz and he does a bang up job of that on this double cd that reimagines Haydn’s “Sun Quartets.” Sure to find a home in the ears of those who like the avant edge of contemporary classical, Fields has crafted out sound sounds for people that hear music differently that the average mainstream listener. Pretty much niche stuff but performed expertly enough that fans will pack that niche tightly as they gather around. —   Midwest Records



Der Komponist, Gitarrist und Bandleader   des Feartets, der aus Chicago stammende Scott Fields folgt mir seinem Ensemble (Elisabeth Fügemann/Cello, Axel Lindner/Violine und Radek Stawarz/Viola) den Spuren der sechs “Sonnenquartette”/Opus 20 (Quartett Nr.23 - 28/Hoboken Nr. 31 - 36), die Joseph Haydn 1772 verfasste. Wie Scott Fields elektronische Gitarre auf der Doppel-CD “Haydn” eine der beiden sonst gewohnten Violin-Stimmen übernimmt, die klassische Quartettform damit in eine traditionsbewusste Gegenwart eines veränderten modernen Klangbildes führt, bietet eine breite Basis für oftmaliges Eintauchen in die Kompositionswelt von Scott Fields, darüber hinaus auch für Vergleiche und forschende Querverbindungen zu den Originalen (empfohlen wird dabei von Kollegen die Aufnahme des österreichischen Hagen Quartetts). Die Anregung und Auseinandersetzung mit alten Meistern hat schon viele improvisierende Künstlerinnen in diese lohnende Zwischenfeld gelockt, die genießende Detailarbeit der Rezeption wartet sowohl auf “Klassiker”, aufgeschlossene Improvisationsfans und auf alle “Open Ears & Minds” ohne Furcht (Feartet!) vor Neuem. 4 stars —   Concerto Magazine



Warum das Quartett von Scott   Fields String Fearet heißt, wird schnell klar: Statt einer zweiten Violine ergänzt hier Fields’ Gitarre das übliche Streichquartett. Diesmal hat sich Fields die sechs “Sonnenquartette” von Joseph Haydn vorgenommen, die er als Ausgangspunkt für neu geschriebenes Material, Vorgefundenes — praktisch eingespielte Samples — und Improvisiertes nutzt. Dass eine wimmernde E-Gitarre da natürlich einen völlig neuen Klang in Haydns Kosmos einführt, kommt noch hinzu. Trotzdem ist das Ganze nicht so respektlos oder ikonoklastisch, wie mancher Haydn-Verehrer vermuten mag. Auf gleich zwei CDs nimmt sich das Feartet genug Zeit, um dem speziellen Zauber dieser Musik — Vielschreiber Haydn komponierte insgesamt 83 Streichquartette — nachzuspüren und sie behutsam für zeitgenössische Musiker zwischen E, U und Improvisation nutzbar zu machen. —   Jazzthing



Zwei CDs 2013, 2014 schon   wieder zwei. Er gibt ja selbst zu, dass improvisierende Musiker naturgemäß schneller mit Veröffentlichungen sind-wobei das im Falle des Chicagoer Wahl-Kölner Gitarristen und Komponisten Scott Fields so eine Sache ist: Bei ihm laufen ja alle möglichen Faden über stets festen Fundamenten zusammen, Jazz natürlich. Klassik und eben auch improvisierte Musik. Er ist nun wirklich der exemplarische Januskopf, und das wird nirgends so ohrenfällig wie in seinem Großprojekt „Haydn”, einer satten Herausforderung für sein String Feartet mit Elisabeth Fügemann, Cello, Axel Lindner, Violine, für Vincent Royer jetzt Radek Stawarz, Viola, und Scott hier stets an der E-Klampfe. Fields hat ja im JP-Interview 2013 erzählt von dem Auftragswerk für ein Haydn-Festival, für das er Haydns sechs Sonnen-Quartette zu je einer „Suite” nicht einfach zusammengekloppt, sondern äußerst sorgsam verdichtet hat Zwei CDs, zweimal drei Suiten, Stoff für belastbare, neugierige, mutige Musiker. Und Hörer. Das Festival wollte eine „Re-Imaginierung" Haydns; und für das Ergebnis empfiehlt Scott, „Haydn für kurze Zeit im Hinterkopf zu ‚parken’ und sich die neuen Werke als etwas Einzigartiges anzuhören, das aus den Samen gewachsen ist, die Haydn gepflanzt hat.” Haydn-Oldies und Fields-Newbies steigen am besten in der Suite Nr. 4 (9 min) ein statt in die fünften (30 min) zu Beginn. Oder mit der zweiten (22 min) schon wegen des reizvoll-subtilen Dialogs Scotts mit der Violine. Oder, der sicherste Tipp, sie lernen das Feartet von dessen allerbesten Saiten kennen. Denn im zweiten Feartet-Album „Mostly Stick” spielt eine deutlich andere Musik, auch sechs Stücke mit so köstlichen Titeln wie „Blubberer”, „Rollover nosebrain”, „Schmatta” oder „Carolina reaper”. Das ist lautmalerische Raffinesse, jeder Titel ein Vorbote der jeweiligen „Komprovisation” (Fields). In „Mostly Stick” ist Fields wieder der faszinierende, hypnotisierende, hochsensible und ach so gern missverstandene oder gnadenlos unterschätzte Meister, der doch den Zugang in die Weft von Abstraktion, Reflexion und Improvisation ästhetisch so leicht zu machen versteht. „Hello to Jason lsaacs” ist eine vom Start weg griffige Multi- Temperaments-Show, der „Blubberer” ergäbe einen exquisiten Krimi-Sound-track, „Rollover nosebrain” serviert pure Klangaquarelle, „Äpken”, mal nicht von Scott, sondern von Axel Lindner komponiert, ist eine humorvolle, größtenteils wunderbar zarte Paraphrase auf, sagen wir, Jackson Pollock, „Schmatta” wird zum weiträumigen, ganz dialogischen und improvisatorischen Traum-Stück des Quartetts, und der „Carolina reaper” (mit der Vieldeutigkeit von reaper) ist ein Marsch quer durchs Spektrum der Stimmungen, von feinstrichig angetippt bis massiv und explosiv. Zwei sehr unterschiedliche Alben, das erste, das lauter Fragen aufwirft, das zweite, das viele Antworten gibt. Nur auf die ewige eine nicht: ob das alles nun Avantgarde-Jazz ist oder Neue Musik. Völlig egal. Aber der „Haydn” wird jedenfalls wieder kräftig poIarisieren. Herrlich! — Alexander Schmitz,   Jazz Podium



Schon seit etlichen Jahren wirkt   der amerikanische Gitarrist Scott Fields (*1956) in Köln und hat guten Kontakt mit der benachbarten europäischen Improvisationsszene. Zu seinen diversen Projekten gehört nach dem “String Octet” nun auch das “String Feartet”, und die Integration von elektrischer Gitarre mit den drei Streichern fühlt sich natürlich an, nicht zuletzt weil auch diese kompetente virtuose Grenzgänger zwischen Klassik und Jazz sind. Der Name “Feartet” ist pure Ironie. Mit Ängstlichkeit oder Webernscher Tonrationierung hat dieses Quartett wirklich nichts zu tun. Die musikalische Dichte — besonders der ersten CD — erinnert an Ornette Colemans harmolodische Streicher-Experimente. Meistens dominieren kollektive Prozesse, nicht grosse Soli. Mit eigenem Humor erkundet Fields Synergien zwischen Komposition und freier Improvisation, die er derart verschränkt, dass sie oft kaum unterscheidbar sind: “Einzelne Teile dürfen frei vermischt, Loops verlängert oder verkleinert und geschriebene Teile unabhängig voneinander gespielt werden. Die Solisten können auch mit Handzeichen den nächsten Teil abrufen, die Dynamik und das Tempo ändern und sich ein Solo erkämpfen.” Mit Bartókscher Energie und Free Jazz-artigem Flow ging es beim ersten Stück “Kintsugi” resolut und pulsierend zur Sache. Die Interaktion ist lebhaft, und wie oft in neuer Musik ist in den vier Stücken (Dauer acht bis 20 Minuten) in jedem Moment die Information mehrschichtig mit mindestens zwei Handlungssträngen, was konzentriertes Zuhören verlangt. Die späteren Stücke neigen zu virtuosen Episoden ohne fühlbaren grösseren Zusammenhang. Aber da war das “Feartet” auch noch ein neues Team. Die Doppel-CD “Haydn” hat einen anderen Ansatz. Das sechsteilige Werk entstand als Kompositionsauftrag des Haydn Festivals in D-Brühl. Von Haydn, dem Innovator des 18. Jahrhunderts, hat Fields die Sonnenquartette (op. 20) radikal dekonstruiert und melodische, harmonische und kontrapunktische Elemente übernommen und natürlich mit viel freitonaler Improvisation kombiniert. Die dichten Tracks entfernen sich weit von Gestalt und Klang der Originale und sind am besten unabhängig zu hören. Suite 3 übernimmt die Rhythmik und fetzt stellenweise wie eine ungarische Tanzmusik. Spannend wirds, wenn die Klassik-Bezüge deutlicher durchscheinen, wie in Suite 4 und 6. Enthielt “Kintsugi” noch vorwiegend Rearrangements früherer Stücke, so wurden die “Komprovisationen” der neuesten CD “Mostly Stick” fast ausnahmslos speziell für dieses Quartett konzipiert. Das erste Stück “Hello to Jason Issacs” ist eine “Strafaufgabe” für die Cellistin Fügemann, die sich etwas unterfordert fühlte! Bewusst hat Fields hier weniger komplex geplant, aber es passiert immer noch genug und zwischendurch steigert sich die Handlung zu heftigen “Luftkämpfen”. Mit Dynamik und Dichte gehen die Spieler ebenso prägnant um wie mit anderen Teilaspekten. Auch wenn die Improvisatoren viele Optionen haben, wird mit dem spontan Ausgewählten dezidiert gearbeitet, wodurch die kollektive Improvisation eine klare Gestik und Gliederung erhält. Dies ist eine echte Pionierleistung, die bei mehrmaligem Anhören gewinnt und die besonders Liebhaber moderner Streichquartette nicht verpassen sollten. — Jürg Solothurnmann, Jazz ’N’ More