home



Mostly Stick      Haydn      everything is in the instructions      Kintsugi      Frail Lumber      Moersbow/OZZO      Minaret Minuets      Afiadacampos      what we talk      Samuel      Music for the radio program This American Life      Drawings      Scharfefelder      Bitter Love Songs      Beckett      We Were The Phliks      Song Songs Song      christangelfox      Plunderplunderphonics      From the Diary of Dog Drexel      96 Gestures      this that      Mamet      Dénouement      Hornets Collage      Five Frozen Eggs      48 Motives      Sonotropism      Disaster at Sea      Fugu      Running with Scissors

biography
events"
projects
recordings
equipment
sound
video
photographs
scores

contact

by publication
by author
by concert
articles
comparisons
errata
critics

Scott Fields hat sich vom   Bezug zur Klassik (wie auf „Haydn” etwa) gelöst und eine freie Form gefunden, eigene Vorstellungen von Klassik und Neo-Klassik in Musik umzusetzen. Trotz der Strenge der Kompositionen öffnet Fields seinen Musikern (Elisabeth Fügemann, Axel Lindner, Radek Stawarz) großzügigen Raum für Improvisationen. Die Möglichkeiten gibt der Musik eine Freiheit, die sich aus den strengen Regeln der Klassik eindeutig absetzt. Wild und manchmal ungebändigt, im Zaum gehalten und vorsichtig gelenkt, finden die sechs Stücke, vier davon über zehn Minuten lang, ihren Weg durch das Labyrinth kompositorischer Vorgaben. Scott Fields versteht es auch hier wieder, eine auf hohem Niveau erzeugte Spannung bis zum letzten Ton durchzuhalten. Grandios und stolz. Klaus Hübner, Westzeit



Nach „Kintsugi” und der Doppel-CD   „Haydn” ist „Mostly Stick” nun das dritte Album des Scott Fields Feartet. Ist das (noch) Jazz, mögen viele einwenden, und diese Frage ist bei dieser CD nicht unberechtigt. Manche Gesten der souverän agierenden Streicher atmen spüatromantische Expressivität, die bisweilen an Janacek oder den frühen Alban Berg erinnert, Glissando-Passagen verweisen auf Neue Musik und die von Fields gerne intonierten repetitiven Tonketten und ostinat wiederholten Figuren auf Minimal Music. Auskomponierte Abschnitte gehen nahtlos in improvisatorische Teile über, somit könnte man die sechs Stücke als „Komprovisationen” bezeichnen. Fields’ Gitarre klingt mal jazzig clean und dann wieder rockig verzerrt, und in den solistischen Passagen gläzt der Amerikaner mit tänzerischer Leichtigkeit und einer wunderbar swingenden Phrasierung. Fazit: Nichts für Jazzpuristen, aber einfach spannende, lebendige Musik. — Musik (4 stars out of 5) Klang (4 stars out of 5) Mario-Felix Vogt, Fono Forum



Zwei CDs 2013, 2014 schon   wieder zwei. Er gibt ja selbst zu, dass improvisierende Musiker naturgemäß schneller mit Veröffentlichungen sind-wobei das im Falle des Chicagoer Wahl-Kölner Gitarristen und Komponisten Scott Fields so eine Sache ist: Bei ihm laufen ja alle möglichen Faden über stets festen Fundamenten zusammen, Jazz natürlich. Klassik und eben auch improvisierte Musik. Er ist nun wirklich der exemplarische Januskopf, und das wird nirgends so ohrenfällig wie in seinem Großprojekt „Haydn”, einer satten Herausforderung für sein String Feartet mit Elisabeth Fügemann, Cello, Axel Lindner, Violine, für Vincent Royer jetzt Radek Stawarz, Viola, und Scott hier stets an der E-Klampfe. Fields hat ja im JP-Interview 2013 erzählt von dem Auftragswerk für ein Haydn-Festival, für das er Haydns sechs Sonnen-Quartette zu je einer „Suite” nicht einfach zusammengekloppt, sondern äußerst sorgsam verdichtet hat Zwei CDs, zweimal drei Suiten, Stoff für belastbare, neugierige, mutige Musiker. Und Hörer. Das Festival wollte eine „Re-Imaginierung" Haydns; und für das Ergebnis empfiehlt Scott, „Haydn für kurze Zeit im Hinterkopf zu ‚parken’ und sich die neuen Werke als etwas Einzigartiges anzuhören, das aus den Samen gewachsen ist, die Haydn gepflanzt hat.” Haydn-Oldies und Fields-Newbies steigen am besten in der Suite Nr. 4 (9 min) ein statt in die fünften (30 min) zu Beginn. Oder mit der zweiten (22 min) schon wegen des reizvoll-subtilen Dialogs Scotts mit der Violine. Oder, der sicherste Tipp, sie lernen das Feartet von dessen allerbesten Saiten kennen. Denn im zweiten Feartet-Album „Mostly Stick” spielt eine deutlich andere Musik, auch sechs Stücke mit so köstlichen Titeln wie „Blubberer”, „Rollover nosebrain”, „Schmatta” oder „Carolina reaper”. Das ist lautmalerische Raffinesse, jeder Titel ein Vorbote der jeweiligen „Komprovisation” (Fields). In „Mostly Stick” ist Fields wieder der faszinierende, hypnotisierende, hochsensible und ach so gern missverstandene oder gnadenlos unterschätzte Meister, der doch den Zugang in die Weft von Abstraktion, Reflexion und Improvisation ästhetisch so leicht zu machen versteht. „Hello to Jason lsaacs” ist eine vom Start weg griffige Multi- Temperaments-Show, der „Blubberer” ergäbe einen exquisiten Krimi-Sound-track, „Rollover nosebrain” serviert pure Klangaquarelle, „Äpken”, mal nicht von Scott, sondern von Axel Lindner komponiert, ist eine humorvolle, größtenteils wunderbar zarte Paraphrase auf, sagen wir, Jackson Pollock, „Schmatta” wird zum weiträumigen, ganz dialogischen und improvisatorischen Traum-Stück des Quartetts, und der „Carolina reaper” (mit der Vieldeutigkeit von reaper) ist ein Marsch quer durchs Spektrum der Stimmungen, von feinstrichig angetippt bis massiv und explosiv. Zwei sehr unterschiedliche Alben, das erste, das lauter Fragen aufwirft, das zweite, das viele Antworten gibt. Nur auf die ewige eine nicht: ob das alles nun Avantgarde-Jazz ist oder Neue Musik. Völlig egal. Aber der „Haydn” wird jedenfalls wieder kräftig poIarisieren. Herrlich! — Alexander Schmitz,   Jazz Podium



Schon seit etlichen Jahren wirkt   der amerikanische Gitarrist Scott Fields (*1956) in Köln und hat guten Kontakt mit der benachbarten europäischen Improvisationsszene. Zu seinen diversen Projekten gehört nach dem “String Octet” nun auch das “String Feartet”, und die Integration von elektrischer Gitarre mit den drei Streichern fühlt sich natürlich an, nicht zuletzt weil auch diese kompetente virtuose Grenzgänger zwischen Klassik und Jazz sind. Der Name “Feartet” ist pure Ironie. Mit Ängstlichkeit oder Webernscher Tonrationierung hat dieses Quartett wirklich nichts zu tun. Die musikalische Dichte — besonders der ersten CD — erinnert an Ornette Colemans harmolodische Streicher-Experimente. Meistens dominieren kollektive Prozesse, nicht grosse Soli. Mit eigenem Humor erkundet Fields Synergien zwischen Komposition und freier Improvisation, die er derart verschränkt, dass sie oft kaum unterscheidbar sind: “Einzelne Teile dürfen frei vermischt, Loops verlängert oder verkleinert und geschriebene Teile unabhängig voneinander gespielt werden. Die Solisten können auch mit Handzeichen den nächsten Teil abrufen, die Dynamik und das Tempo ändern und sich ein Solo erkämpfen.” Mit Bartókscher Energie und Free Jazz-artigem Flow ging es beim ersten Stück “Kintsugi” resolut und pulsierend zur Sache. Die Interaktion ist lebhaft, und wie oft in neuer Musik ist in den vier Stücken (Dauer acht bis 20 Minuten) in jedem Moment die Information mehrschichtig mit mindestens zwei Handlungssträngen, was konzentriertes Zuhören verlangt. Die späteren Stücke neigen zu virtuosen Episoden ohne fühlbaren grösseren Zusammenhang. Aber da war das “Feartet” auch noch ein neues Team. Die Doppel-CD “Haydn” hat einen anderen Ansatz. Das sechsteilige Werk entstand als Kompositionsauftrag des Haydn Festivals in D-Brühl. Von Haydn, dem Innovator des 18. Jahrhunderts, hat Fields die Sonnenquartette (op. 20) radikal dekonstruiert und melodische, harmonische und kontrapunktische Elemente übernommen und natürlich mit viel freitonaler Improvisation kombiniert. Die dichten Tracks entfernen sich weit von Gestalt und Klang der Originale und sind am besten unabhängig zu hören. Suite 3 übernimmt die Rhythmik und fetzt stellenweise wie eine ungarische Tanzmusik. Spannend wirds, wenn die Klassik-Bezüge deutlicher durchscheinen, wie in Suite 4 und 6. Enthielt “Kintsugi” noch vorwiegend Rearrangements früherer Stücke, so wurden die “Komprovisationen” der neuesten CD “Mostly Stick” fast ausnahmslos speziell für dieses Quartett konzipiert. Das erste Stück “Hello to Jason Issacs” ist eine “Strafaufgabe” für die Cellistin Fügemann, die sich etwas unterfordert fühlte! Bewusst hat Fields hier weniger komplex geplant, aber es passiert immer noch genug und zwischendurch steigert sich die Handlung zu heftigen “Luftkämpfen”. Mit Dynamik und Dichte gehen die Spieler ebenso prägnant um wie mit anderen Teilaspekten. Auch wenn die Improvisatoren viele Optionen haben, wird mit dem spontan Ausgewählten dezidiert gearbeitet, wodurch die kollektive Improvisation eine klare Gestik und Gliederung erhält. Dies ist eine echte Pionierleistung, die bei mehrmaligem Anhören gewinnt und die besonders Liebhaber moderner Streichquartette nicht verpassen sollten. — Jürg Solothurnmann, Jazz ’N’ More