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Scott Fields hat sich vom   Bezug zur Klassik (wie auf „Haydn” etwa) gelöst und eine freie Form gefunden, eigene Vorstellungen von Klassik und Neo-Klassik in Musik umzusetzen. Trotz der Strenge der Kompositionen öffnet Fields seinen Musikern (Elisabeth Fügemann, Axel Lindner, Radek Stawarz) großzügigen Raum für Improvisationen. Die Möglichkeiten gibt der Musik eine Freiheit, die sich aus den strengen Regeln der Klassik eindeutig absetzt. Wild und manchmal ungebändigt, im Zaum gehalten und vorsichtig gelenkt, finden die sechs Stücke, vier davon über zehn Minuten lang, ihren Weg durch das Labyrinth kompositorischer Vorgaben. Scott Fields versteht es auch hier wieder, eine auf hohem Niveau erzeugte Spannung bis zum letzten Ton durchzuhalten. Grandios und stolz. Klaus Hübner, Westzeit



Nach „Kintsugi” und der Doppel-CD   „Haydn” ist „Mostly Stick” nun das dritte Album des Scott Fields Feartet. Ist das (noch) Jazz, mögen viele einwenden, und diese Frage ist bei dieser CD nicht unberechtigt. Manche Gesten der souverän agierenden Streicher atmen spüatromantische Expressivität, die bisweilen an Janacek oder den frühen Alban Berg erinnert, Glissando-Passagen verweisen auf Neue Musik und die von Fields gerne intonierten repetitiven Tonketten und ostinat wiederholten Figuren auf Minimal Music. Auskomponierte Abschnitte gehen nahtlos in improvisatorische Teile über, somit könnte man die sechs Stücke als „Komprovisationen” bezeichnen. Fields’ Gitarre klingt mal jazzig clean und dann wieder rockig verzerrt, und in den solistischen Passagen gläzt der Amerikaner mit tänzerischer Leichtigkeit und einer wunderbar swingenden Phrasierung. Fazit: Nichts für Jazzpuristen, aber einfach spannende, lebendige Musik. Musik (4 stars out of 5) Klang (4 stars out of 5)Mario-Felix Vogt, Fono Forum



Zwei CDs 2013, 2014 schon   wieder zwei. Er gibt ja selbst zu, dass improvisierende Musiker naturgemäß schneller mit Veröffentlichungen sind-wobei das im Falle des Chicagoer Wahl-Kölner Gitarristen und Komponisten Scott Fields so eine Sache ist: Bei ihm laufen ja alle möglichen Faden über stets festen Fundamenten zusammen, Jazz natürlich. Klassik und eben auch improvisierte Musik. Er ist nun wirklich der exemplarische Januskopf, und das wird nirgends so ohrenfällig wie in seinem Großprojekt „Haydn”, einer satten Herausforderung für sein String Feartet mit Elisabeth Fügemann, Cello, Axel Lindner, Violine, für Vincent Royer jetzt Radek Stawarz, Viola, und Scott hier stets an der E-Klampfe. Fields hat ja im JP-Interview 2013 erzählt von dem Auftragswerk für ein Haydn-Festival, für das er Haydns sechs Sonnen-Quartette zu je einer „Suite” nicht einfach zusammengekloppt, sondern äußerst sorgsam verdichtet hat Zwei CDs, zweimal drei Suiten, Stoff für belastbare, neugierige, mutige Musiker. Und Hörer. Das Festival wollte eine „Re-Imaginierung" Haydns; und für das Ergebnis empfiehlt Scott, „Haydn für kurze Zeit im Hinterkopf zu ‚parken’ und sich die neuen Werke als etwas Einzigartiges anzuhören, das aus den Samen gewachsen ist, die Haydn gepflanzt hat.” Haydn-Oldies und Fields-Newbies steigen am besten in der Suite Nr. 4 (9 min) ein statt in die fünften (30 min) zu Beginn. Oder mit der zweiten (22 min) schon wegen des reizvoll-subtilen Dialogs Scotts mit der Violine. Oder, der sicherste Tipp, sie lernen das Feartet von dessen allerbesten Saiten kennen. Denn im zweiten Feartet-Album „Mostly Stick” spielt eine deutlich andere Musik, auch sechs Stücke mit so köstlichen Titeln wie „Blubberer”, „Rollover nosebrain”, „Schmatta” oder „Carolina reaper”. Das ist lautmalerische Raffinesse, jeder Titel ein Vorbote der jeweiligen „Komprovisation” (Fields). In „Mostly Stick” ist Fields wieder der faszinierende, hypnotisierende, hochsensible und ach so gern missverstandene oder gnadenlos unterschätzte Meister, der doch den Zugang in die Weft von Abstraktion, Reflexion und Improvisation ästhetisch so leicht zu machen versteht. „Hello to Jason lsaacs” ist eine vom Start weg griffige Multi- Temperaments-Show, der „Blubberer” ergäbe einen exquisiten Krimi-Sound-track, „Rollover nosebrain” serviert pure Klangaquarelle, „Äpken”, mal nicht von Scott, sondern von Axel Lindner komponiert, ist eine humorvolle, größtenteils wunderbar zarte Paraphrase auf, sagen wir, Jackson Pollock, „Schmatta” wird zum weiträumigen, ganz dialogischen und improvisatorischen Traum-Stück des Quartetts, und der „Carolina reaper” (mit der Vieldeutigkeit von reaper) ist ein Marsch quer durchs Spektrum der Stimmungen, von feinstrichig angetippt bis massiv und explosiv. Zwei sehr unterschiedliche Alben, das erste, das lauter Fragen aufwirft, das zweite, das viele Antworten gibt. Nur auf die ewige eine nicht: ob das alles nun Avantgarde-Jazz ist oder Neue Musik. Völlig egal. Aber der „Haydn” wird jedenfalls wieder kräftig poIarisieren. Herrlich! — Alexander Schmitz,   Jazz Podium