scott fields

Scott Fields, musician

Moersbow/OZZO

»Blahblahblah« steht auf der Website von Scott Fields als Überschrift zum Thema ausführliche Biografie. Ist einem natürlich gleich sympathisch, wenn sich jemand nicht ganz so wichtig nimmt. Vor allem dann, wenn sich diese Biografie durchaus spannend liest. Vom »Spotter« für Drogendealer (die Kindheit und Jugend in Chicago) über den eher schrillen Einstieg in die Rockmusik (zunächst) bis hin zur Übersiedlung nach Köln, wo Fields mittlerweile eine ziemlich gut gesettelte Figur in der einschlägigen Szene sein dürfte. Renommierte Namen wie Frank Gratkowski oder Carl Ludwig Hübsch tauchen da auf, echte Kapazunder, die sich mit hörbarer Spielfreude in dieses frei und doch nicht frei improvisierende Großensemble unter Dirigent und Komponist Scott Fields einfügen. Worum aber geht es? Einmal mehr um moderne, um improvisierte Kammermusik. In dieser und für diese sucht Fields nach Strukturen (früher regelrecht »besessen«), ohne dabei den Terminus »post-free« überstrapazieren zu wollen. Trotzdem trifft es das ein wenig. Sowohl das Multiple Joyce Orchestra wie auch das Ensemble musizieren frei (ergo atonal, dissonant, mitunter eruptiv) wie auch nach vorgegebenen Strukturen, die aber die Improvisationen maximal harmonisch oder motivisch lenken, keinesfalls konkrete Tonfolgen vorgeben. Fields Stücke können also je nach Aufführung ziemlich verschieden klingen — wobei davon ausgegangen werden kann, dass es keine Aufführung gibt, bei der alle Musiker plötzlich nur wohlgefällige Harmonien spielen. (Warum eigentlich nicht? Weil das nicht »post-free« wäre?) Hier beißt sich die Konzertkatze letztlich in den improvisierten Schwanz, denn trotz der durchaus elegant und effizient eingeführten Strukturen (das Ensemble wird etwa durch den Einsatz bzw. das Wechselspiel zweier E-Gitarren gewissermaßen formatiert) verschütten die genretypischen Disharmoniekaskaden mitunter das fragile Netz des Kompositorischen. Zu einschlägig, zu redundant, zu wenig nach individuellem Ausdruck klingt dieses freie Gewusel, so dass man beim Hören immer wieder von einem disharmonischen … tja … eben … »Blahblahblah« erschlagen wird. Fields selbst versteht seine Kompositionen als »explorativ«, als Entdeckungsreisen für Komponist und Musiker gleichermaßen. Als Hörer muss man entsprechend die Bereitschaft mitbringen, wirklich zu entdecken und nicht bloß Gewohntes wiederzufinden. Das ist nur zu unterschreiben. Leider sind eben viele Hörresultate der frei improvisierten Musik zu einem ebensolchen Gewohnten geworden. Da würde man sich frei nach John Cage anstelle freier Improvisationen lieber frische Improvisationen wünschen. — Skug